Unsere SPDSozialdemokratie, **ehemals**, heute Mehrheitsbeschaffer Wirtschaftsextremistischer Parteien wie CDU/CSU. ist für nichts verantwortlich!

In Zeiten, in denen eine ErlöserparteiPolitische Gruppierung (nennt sich AfD), die gesellschaftliche Krisen und Ängste nutzt, um sich selbst als einzige Rettung des 'wahren Volkes' (Substanzdeutsche) zu inszenieren. Komplexe Probleme werden auf Feindbilder reduziert, während demokratische, gesellschaftliche oder institutionelle Prozesse zunehmend als Hindernis der eigenen 'Erlösung' dargestellt werden. immer mehr Zustimmung findet, wundern sich etablierte (andere) Parteien derweil, dass diese Erlöserpartei (und ihre Kulturpaniker'Kulturpanik' (die) - Polemische Bezeichnung für Menschen oder politische Gruppen, die gesellschaftliche, kulturelle oder sprachliche Veränderungen grundsätzlich als Bedrohung wahrnehmen und daraus dauerhafte Untergangs- oder Verfallsnarrative ableiten. Kulturpaniker reagieren häufig mit Übertreibung, Moralisierung und der Sehnsucht nach einer vermeintlich geordneten Vergangenheit.) vermehrt Zustimmung findet.

Ihr meint, das sei jetzt doppelt? Nie im Leben, ich erkläre auch warum.

Die Geschichte fängt in einem kleinen Vorort im Süden von Dortmund an. So ergab es sich, dass diese SPD Vorortgruppe von Dortmund einen Infostand auf einem öffentlichen und belebten Parkplatz aufbaute.

Mit in der Runde eine Landtagsabgeordnete 1 und eben was alles so an lokaler “Prominenz” bei der SPD verfügbar war. Ich mache mir ja immer gern einen Spaß daraus, Politiker auf dies und jenes anzusprechen - eben so, wie und wo es politisch gerade brennt.

Ich kam um die Ecke, und noch vor jeder Begrüßung lautete meine Frage in die Runde:

“Hey, was treibt ihr da im Bund?”

Als Antwort: Erst betretenes Schweigen, dann kam von der Dorf-SPD unisono:

“Da sind wir nicht zuständig, wir können da eh nichts tun, wir machen nur Lokalpolitik.”

Das saß. Nichtsahnend, was mir einige Wochen später über den Weg laufen würde (dazu später), musste ich eingestehen, die SPD ist sozusagen

[ Achtung: Wortspiel! ]

“unverantwortlich”.

Deren RealitätsmechanikZwei Menschen können dieselben Zahlen lesen, dieselben Bilder sehen, dieselben Ereignisse erleben - und am Ende zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Nicht unbedingt, weil einer lügt. Sondern weil Menschen Realität niemals direkt erfassen. **Sie konstruieren sie**. Genau dort beginnt die Realitätsmechanik. scheint unerreichbar und besitzt zudem einen Kopierschutz. Denn keine andere Partei hat sich so dem “Auftrag 5% Hürde” verschrieben.

Am Infostand spielte man eitel Sonnenschein. Begrüßte die Wählerschaft, bestehend aus anderen SPD Uraltmitgliedern, ließ sich von denen unterstützen und ein klein wenig feiern, ansonsten blickten alle etwas betreten drein, schwiegen und versuchten, von Bundespolitik - wie gesagt, sie sind ja in der SPD Dortmund, nicht SPD Bund - abzulenken auf die wichtige Lokalpolitik.

Diese selektive Realitätsmechanik muss man sich eben leisten können:
Bundespolitik als Werbefläche nutzen, aber jede Verantwortung dafür an der Stadtgrenze von Dortmund abgeben.

In Ordnung, ich akzeptiere das für den Moment.

Bis hierhin war die Welt aus Sicht der Genossen also scheinbar noch in Ordnung. Gestern jedoch lief ich am Schaukasten der SPD vorbei - ja, hier im Dorf gibt es so etwas noch - und traute meinen Augen nicht:

SPD Schaukasten
© 361-grad.eu
SPD Schaukasten

B.U.N.D.E.S.P.O.L.I.T.I.K?!

Ja echt, die machen mit bundespolitischen Aussagen Werbung.

Alle reden von der Rente. Wir sichern sie.

Genau dort zerfällt jetzt jede politische Glaubwürdigkeit in ihre Einzelteile.

Da passt einfach nichts zusammen:
Die SPD-Basis behauptet am Infostand, sich nur für die Kommunalpolitik vor Ort zu interessieren. Gleichzeitig pflastert sie ihren Schaukasten mit Rentenversprechen aus Berlin zu, für die sie sich als Basis aber nicht im Geringsten verantwortlich fühlt. Diese Diskrepanz muss mir mal jemand logisch erklären.

Das Beste kommt noch.

Die Frau Landtagsabgeordnete, sowie ihre Helfer am Infostand, verstehen ernsthaft nicht, weswegen so viele Menschen derzeit dieser sogenannten “Erlöserpartei” zulaufen. Ich habe am Stand versucht, ihnen die Gründe zu erklären. Doch es waren schlicht nicht die Worte, die man in diesen Kreisen gerne hören möchte. Außer tauben Ohren war dort absolut nichts zu finden.

Und jetzt verstehen die nicht, weswegen die (anderen) gewählt werden?

Die wundern sich tatsächlich über die Politikverdrossenheit innerhalb der Gesellschaft?

Und genau dort beginnt das gesellschaftliche Vakuum, in das die “Erlöserpartei” stößt.

Bundespolitik wird benutzt, solange sie Stimmen bringt.
Verantwortung dafür trägt anschließend niemand mehr.

Schlimmer geht immerhin

Für diesen Artikel habe ich noch ein wenig weiter recherchiert. Dabei lief mir ein Social-Media-Post der Abgeordneten über den Weg, der das Dilemma perfekt auf den Punkt bringt:

SPD Themen in der Landes- ähem, nein, Bundespolitik
© Instagram - nadjalueders
SPD Themen in der Landes- ähem, nein, Bundespolitik

Auf dem Bild steht: “Diese Päckchen tragen die Arbeitnehmer:innen in NRW”.

Das Bild wurde pünktlich zum 1. Mai veröffentlicht und trieft nur so vor klassischer Funktionärssprache. Es wird eine fein definierte Zielgruppe adressiert, statt die Gesellschaft als Ganzes in den Blick zu nehmen. Man spricht distanziert über “die Arbeitnehmer:innen”. Ein RealitätsabstandBeschreibt die Differenz zwischen der tatsächlichen Realität und dem inneren Weltbild eines Menschen, einer Gruppe oder eines Systems. Je größer der Realitätsabstand, desto stärker weichen Wahrnehmung, Erwartungen oder Überzeugungen von überprüfbaren Bedingungen und Fakten von der Wirklichkeit ab., den man sich leisten können muss.

Das Absurde daran: Alle auf dem Bild angeprangerten Probleme fallen gar nicht in die Zuständigkeit des Landtags. Es ist reine Bundespolitik. Mit anderen Worten: Man instrumentalisiert den Tag der Arbeit, um die Marke SPD irgendwie im Gespräch zu halten. Wohlwissend, dass man an den realen Problemen vor Ort ohnehin nichts ändern will - oder laut eigener Aussage am Infostand ja gar nicht ändern kann.

Dieses Schauspiel erklärt am Ende vieles: von der Entfremdung an der Basis bis hin zu den desaströsen Wahlergebnissen … ach ja, und den Erfolgen der “Erlöserpartei”.

Noch Fragen?
Ich nicht.


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Unsere Dorf-SPD macht keine Bundespolitik. Außer im Wahlkampf natürlich.
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